Katja Windau

Abschlussbericht
Während meines Aufenthalts auf dem Hof Scharrlberg arbeitete ich wie geplant an einem größeren Objekt aus Schafwolle. Dabei wird loses Jutegewebe in kardierte oder gekämmte Wolle nass eingefilzt. Die textile Skulptur wird aus Gründen der Handhabbarkeit zunächst aus kleineren Elementen hergestellt und dann - mittels Nähfaden und Nadelfilzen - zusammengesetzt. In dem Projekt befasse ich mich mit Natur, Strategien von Tarnung, aber auch mit feministischen Ansätzen.

In der sogenannten Werkstatt des Hofs fand ich sehr gute Arbeitsbedingungen vor, zum einen gab es einen freistehenden Tisch im kleinen Raum (zum Nassfilzen), zum anderen hatte ich viel Fläche im großen Raum, um die Arbeit auf dem Boden auszubreiten und - auf der Leiter stehend - mit Abstand zu betrachten. Bei allem, was ich an Ausstattung für meine Arbeit benötigte, waren Birgit und Thomas sehr hilfsbereit und unterstützten mich. Das Zusammenleben in der WG im Westflügel und auf dem Hof war unkompliziert und nett. Gegenseitige Einladungen zum Abendessen sorgten für Abwechslung und Kennenlernen.

Es benötigte etwas Zeit, Steinbeck, den Hof, Einkaufsmöglichkeiten und sehenswerte Orte in der näheren Umgebung zu entdecken, da alles weitläufig ist. Zum Glück standen die Fahrräder uneingeschränkt zur Verfügung und das wurde von mir ausgiebig genutzt. Die Zeit ging sehr schnell um, ich hätte noch so viele Ideen gehabt, für Arbeitsprojekte, für Ausflüge usw. Ich fand sehr viele Möglichkeiten für die Auseinandersetzung mit der Natur. Wenn ich nicht filzte, zeichnete ich und probierte dabei auch neue Ansätze aus. Bei meinen Touren nahm ich immer meine Kamera oder zumindest das Handy für eine schnelle Aufnahme mit. Mit zunehmend gutem Wetter wurde man dabei jedoch von der - belebten - Natur sofort als Nährstofflieferant wahrgenommen und belästigt, was die Freude etwas trübte.

Zwischendrin hatte ich den Eindruck, nicht so weit voranzukommen, wie ich gehofft hatte. Am Ende meines Aufenthalts stellte ich aber noch eine kleine Arbeit aus Wolle mit Stickerei fertig, die durch den Hausrotschwanz inspiriert wurde und den Auftakt zu einer Serie bilden könnte. Der eifrige, schwarze bzw. braune Vogel mit rotem Schwänzchen, den ich vorher noch nicht kannte, brütete auf dem Dachbalken meines Ateliers, was ich erst in der letzten Woche bemerkte, als das Piepen der Jungen nicht mehr zu überhören war. Das ist einer der vielen Eindrücke, die ich aus meiner Residenz mitnehme. Sie werden sicher an der ein oder anderen Stelle wieder aufgegriffen.

Zur Abschlussausstellung fand ich für alle Arbeiten, mit denen ich vor Ort beschäftigt war, eine gute Form der Präsentation. Trotz der großen Hitze kamen auch Besucher:innen und so war es für mich ein gelungener Aufenthalt. Danke an die Stifter für diese tolle Möglichkeit!

Fotos Katja Windau                                                                                                                                    katjawindau.de