Barnabas Herrmann

Arbeitstitel:

Linienschränke, Luftgewächse

Projektidee

Im Rahmen eines Residenzstipendiums möchte ich mich mit dem Arboretum auf Hof Scharrlberg beschäftigen und entlang der bildnerischen Auseinandersetzung die Frage stellen, inwiefern unsere Vorstellungen von der Umwelt von historisch gewachsenen Denk- und Präsentationspraktiken abhängen.
Meine Arbeit wird in einer Übersetzungsleistung bestehen: das Vorgefundene, Gesehene wird zeichnerisch reduziert, kondensiert und dann in der malerischen Umsetzung neu formuliert. Es entstehen Bilder, die die Umwelt nicht wiedergeben, sondern die darin wirksamen Prinzipien isolieren und neu kombinieren.

Arbeitsweise

Konkret bedeutet dies die Umsetzung einer täglichen Zeichenroutine. Die Umgebung des Ateliers, insbesondere das Arboretum, wird mit grafischen Mitteln untersucht und abgetastet. Besonders interessieren mich Momente, in denen Naturformen und menschliche Setzungen unscharfe Verbindungen eingehen: beschnittene Bäume, geharkte Beete, begradigte Wasserläufe. Botanische Gärten bieten in diesem Zusammenhang besonders subtile Verschränkungen: Auf den ersten Blick natürlich anmutende Fauna stellt sich auf den zweiten Blick als sorgfältige Auswahl und bewusste Platzierung von Pflanzen heraus, die einem bestimmten Erkenntniswert dienen.
Zeichnerisch suche ich nach den Formprinzipien, die hier mit- und gegeneinander wirksam sind. Das Ergebnis sind keine ausgearbeiteten grafischen Arbeiten, sondern Ansammlungen räumlicher und gegenstandsbezogener Notizen, ausgeführt auf unterschiedlichem Papier – Notizbuch, Collegeblock, Post-It-Sticker... Es entsteht eine vielgestaltige Materialsammlung.
Diese wirkt direkt auf die malerische Arbeit im Atelier ein. Beide Tätigkeitsfelder werden von Anfang an miteinander verflochten. Der Tagesablauf wird in Phasen des zeichnerischen Sammelns, des experimentellen Malens sowie des schriftlichen Dokumentierens des Entstandenen in einem künstlerischen Tagebuch unterteilt.
Für die Arbeit im Atelier werde ich nicht nur Leinwände, sondern auch Fundstücke in die Residenz mitbringen, die als Reste industrieller Produktion – Jalousien, Sitzpolster, Möbelteile – ihrerseits eine konzeptuelle Assoziationsebene eröffnen. So wie die Natur in der Gegenwart auf vielfältige Weise durch menschliche Einwirkung versehrt und verformt wird, findet auch meine Arbeit am Bild der Natur in einem Prozess fortlaufender Verschiebungen und Bezugnahmen statt.

Erwartetes Ergebnis

Ziel der Residenz ist die Fertigstellung einer kleinen Serie (5–10 Arbeiten), die gemeinsam mit ausgewählten Skizzen gezeigt werden können. Das Ergebnis besteht nicht nur in der Präsentation „fertiger“ Werke, sondern stellt diese als Momente eines fortlaufenden Erkundungsprozesses dar.