Annette Lück-Lerche
Statement
Ich komme am frühen Nachmittag auf dem Hof an und bringe mein Material in das Atelier, das mit mehreren großen Tischen ausgestattet ist. Das kommt mir sehr entgegen. Thema meiner Arbeit: eine Wildnis mit gestalterischen Mittel zu erschaffen. Ich beginne damit, den großen Findling im Hof abzuformen, die Form des Steins gefällt mir, obwohl ich noch nicht weiß, ob ich mit der Abformung später etwas anfangen werde.
Wie erlebe ich “Wildnis” als großes Ganzes oder eher in kleinen Details? Bäume, Sträucher und Dickicht. Unterholz, Samen und Wurzeln. Äste. Stämme, Licht und Dunkelheit. Erde und Moos. Farne, Blätter, Baumstümpfe, Steine, Grass und Blüten. Tiere. Wenn ich alle Details und Einzelheiten zusammenfüge, ergibt sich daraus der Begriff “WILDNIS“. Zuerst wird die Umgebung erwandert. Der Badeteich erfrischt an warmen Tagen. Die Größe des Ateliers ist angenehm. Soviel Platz habe ich normalerweise nicht. Die Zeit verfliegt. Plötzlich ist die erste Woche zu Ende.
Die Idee einer Installation weicht zuerst einem anderen „Plan“, eine „Wildnis to go“ zu erschaffen. Jeder kann seine eigene Wildnis mit sich führen. Sie wird Räder erhalten, damit man sie hinter sich herziehen kann. Ich muss mich entscheiden: benutze ich die Papierform des Findlings, welche Farbigkeit wird er bekommen, wie lässt sich diese Wildnis light mit der Form des Steins kombinieren. Ich tendiere dazu, die ganze Gestaltung in Schwarz einzufärben. Als das Objekt fertig ist, trage ich noch etwas Farbe auf.
Bei der zweiten Wildnis, die ich als Installation gestalten möchte, entscheide ich mich dafür, nur abgeformte Äste zu verwenden. Erstmal brauche ich eine Menge an Material, mit dem ich spielen und ausprobieren kann. Während des Arbeitsprozesses zeichne ich viele Skizzen.
Die Möglichkeiten, die unterschiedlichen Astformen zu kombinieren, sind vielfältig. Aber schließlich muss ich mich für eine Gestaltung entscheiden. Ich fixiere die entstandenen Äste bei meiner Installation nur wenig, in einen anderen räumlichen Umfeld kann ich sie wieder anders kombinieren. Das Ergebnis ist eine Raumzeichnung, die ich mir, hätte ich mehr Zeit, auch in mehreren Schichten hintereinander vorstellen kann.
Mein Aufenthalt auf Hof Scharrlberg war inspirierend, und ich habe mich in den Räumlichkeiten wohl gefühlt. Auch die Umgebung kam meinen Vorhaben entgegen.
Ich danke Dr. Birgit Krähe und Dr. Jan Thomas Bandelow, dass ich die vier Wochen auf dem Hof Scharrlberg verbringen konnte.
Fotos Annette Lück-Lerche
Camouflage
Foto Jan Thomas Bandelow