Saskia Hollstein

Statement

Wusch! Raus aus dem Alltag, rein in den kreativen Workflow mit sooo viel Raum zum Arbeiten.
Egal, wem ich vom Stipendium erzähle – jeder bekommt von mir zu hören, dass es eine wirklich schöne Zeit war. Und das ist ernst gemeint! Ich habe mich von Tag eins an rundum wohl und angekommen gefühlt. Zwischen den beiden anderen Künstlerinnen war ich richtig gut aufgehoben und konnte meine eingerosteten Englisch-Skills wieder auffrischen. Wir haben einige ziemlich witzige, sportliche und tierisch gruselige Erlebnisse geteilt. Birgit und Thomas waren die erfrischende Sommerbrise im Hintergrund und haben uns aufgeschlossen und neugierig empfangen. Man sieht beide jeden Tag im Garten oder Wald und kann mit ihnen gemeinsam buchstäblich Bäume ausreißen! (Danke, dass ich das Holz dieser Vogelbeere gleich für mein Projekt nutzen durfte!)

Apropos Projekt: Mir war nicht klar, wie schwer es sein kann, den Absatz von High Heels zu entfernen. Aber ich habe es dennoch irgendwie geschafft und war umso glücklicher, als ich am Ausstellungstag alle Schuhe so, wie ich es mir vorgestellt hatte, präsentieren konnte. Das größte Kompliment für mich war, dass die Besucher erst durch den Hinweis, dass ich die Absätze geschnitzt habe, erkannten, dass es sich nicht einfach um realen Müll handelt.

Leider musste ich aber auch vor Ort feststellen, dass die Umwelt selbst hier nicht frei von Unrat ist. Es war einerseits gut, dass ich passende Referenzobjekte in Bispingen beim Schützenfest, vor der Sparkasse oder dem Supermarkt fand, andererseits aber auch wieder der Beweis, wie die Gesellschaft mit Müll umgeht und dass meine Arbeit dies treffend aufgreift.

Abseits des Projektes konnte ich die Landschaft in vollen (kulinarischen) Zügen genießen. Ich habe Lüneburg kennengelernt, die Heide erkundet, bin abgetaucht und musste schließlich lernen, dass es keine gute Idee ist, vor Ort barfuß durch die Gegend zu streifen – es sei denn, man hat Lust, 20 Zecken von den Beinen zu sammeln. Ich habe mir neu gewonnene Tipps zu Herzen genommen, um mein künstlerisches Profil auszubauen, und nutzte die freie Zeit für Recherche, Zeichnungen und kreatives Schreiben.

Alles in allem eine für mich unvergessliche Zeit mit viel Herzlichkeit, inspirierenden Menschen und beruhigender Natur.

Danke für diese Möglichkeit!

 

https://www.ver2gt.net/


"Mit Füßen treten"

Als mehrwöchiges Projekt, am liebsten im Zeitraum vom 13.07.2026 - 10.08.2026, möchte ich alte, getragene Schuhe mit neuen Absätzen, die aussehen, wie Müll, modifizieren. Dabei ist es mir wichtig, dass ich dafür bewusst alte Schuhe verwende, um ein Zeichen gegen die Überschwemmung an Modeartikeln zu setzen. Diese werde ich entweder gebraucht kaufen oder von Verwandten und Bekannten bekommen und den eventuell vorhandenen Absatz entfernen und austauschen.
Die neuen Absätze verdeutlichen die Verschmutzung durch Konsummüll. Die Schuhe lassen einen somit buchstäblich auf den Hinterlassenschaften der modernen Gesellschaft laufen. Sei es eine zerdrückte Cola-Dose, ein angebissener Apfel oder eine fallengelassene Bananenschale. Vor Ort und inspiriert von den Schuhmodellen, möchte ich mich genau festlegen, welche Art von Abfall dazu passt. Ich werde diese aus Holz schnitzen und mit Schrauben oder Nägeln befestigen, damit die Schuhe stabil und im besten Fall sogar tragbar sind. Außerdem steht es für meine Liebe zur Natur, und deren lebendige Materialien, sowie für nachhaltiges Arbeiten, dass ich die Absätze hölzern gestalte.
Das Holz werde ich aus meinem eigenen, gesammelten Fundus nehmen und mit Schnitzeisen und anderen Bildhauerwerkzeugen bearbeiten. Wenn es möglich ist, würde ich auch gern vor Ort Holz aus dem Wald beziehen, um mehr Verbindung zu den Arbeits- und Ausstellungsräumlichkeiten zu schaffen.
Je nach Motiv, werde ich die Absätze farblich gestalten, um die Wirkung zu verstärken. Dabei behalte ich mir die Farbwahl noch offen und lasse mich von Schuhoptik und der Beschaffenheit des Holzes leiten.